Buddhistische Gemeinschaft Triratna

admin

Liebe Freunde und Freundinnen des Buddhistischen Zentrums,

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Ich möchte euch über ein anstehendes Projekt informieren. Seit einiger Zeit beschäftigen wir uns im Zentrumsteam mit Ideen den mittleren Raum „aufzufrischen“. Dieses soll durch frische Farbe an den Wänden und einen neuen Teppich geschehen. Durch eine großzügige Einzel-Spende haben wir jetzt die finanziellen Mittel dazu.

Der nächster Schritt ist möglichst viele helfende Hände und großzügige Herzen zusammen zu bringen. So ein Projekt dient ja nicht nur der objektiven Verschönerung der Räume , sondern bietet auch eine Gelegenheit für selbstloses Geben und gemeinsames Tun. Sangha wird spürbar und es macht Spaß zusammen zu arbeiten, spielen und Neues für andere zu kreieren.

Hier ist der Zeitplan :

Sa. 16/ So. 17. Juli 2016- Möbel ausräumen, Regale abbauen , alten Teppich rausnehmen.
Mo. 18. – Mi. 20.  Streichen , Teppich verlegen, einräumen.
Do. 21. Juli – Rest-arbeiten .

Wenn du nur am Wochenende mithelfen kannst,  wäre das auch toll, damit die Vorbereitungen für Streichen etc. bis Montag fertig sind.

Falls du nicht bei den handwerklichen Arbeiten helfen kannst, wäre es toll zwischendurch Getränke und kleine Imbisse für die anderen anzubieten. Wenn du Zeit hast in welcher Weise auch immer mitzuhelfen, lass es mich bitte wissen: wann und wieviel Zeit du hast und welche Art Arbeit du gern machen würdest?  Ich werde dann einen genauen Aufgabenplan ausarbeiten. Natürlich soll es auch Zeit für kurze Meditationen, Achtsamkeitspausen und Teepausen geben.

Es wäre toll, wenn du dabei wärst!

Herzliche Grüße,

Prasadavati

 

Begegne allen Menschen mit Freundlichkeit,

aber traue nur jenen, die es verdienen.

Frei übersetzt nach Bodhipaksa (17.3.2015)

best-friendsKürzlich fragte mich eine Frau, was sie tun solle, wenn sie einer Person nicht vertrauen könne, der sie mit Freundlichkeit begegnet war.  In der Vergangenheit versuchte sie einem Mitbewohner, dem sie kein Vertrauen entgegen bringen konnte, mitfühlend zu begegnen und hat sich dabei selbst in Gefahr gebracht. Sie hat nicht gesagt, was die genauen Umstände waren, aber es klang furchterregend.

Jemandem mit Freundlichkeit zu begegnen bedeutet, diese Person zu behandeln wie ein fühlendes menschliches Wesen, das – wie wir selbst – den tief verwurzelten Wunsch hegt, glücklich zu sein und nicht zu leiden. Es bedeutet, sich in jemanden hinein zu fühlen, wissend, dass Glück flüchtig ist und Leiden allzu verbreitet. Mit diesen Gedanken im Geist fällt es uns schwer, unfreundlich gegenüber anderen Personen zu sein, und es ist leichter für uns, ihnen mit Empathie zu begegnen.

Vertrauen bedeutet, zu wissen oder zu glauben, dass man sich auf jemanden verlassen kann, dass jemand unser Bestes im Sinn hat. Es kann bedeuten, dass man sich darauf verlässt, dass jemand die Wahrheit sagt. Es kann bedeuten, dass man sich darauf verlässt, dass jemand auch so handelt, wie er spricht.

Generell denke ich, wir können tatsächlich den meisten Menschen vertrauen, sogar völlig fremden, aber wenn wir bereits die Erfahrung von Unehrlichkeit und Manipulation gemacht haben, oder wenn du schon ein ungutes Gefühl hast, dann ist es besser, auf der sicheren Seite zu bleiben.

Aber Freundlichkeit und Vertrauen überlappen sich nicht notwendigerweise. Wir können jeder Person freundlich begegnen, aber von einigen Personen mögen wir bereits wissen, dass sie nicht unser Bestes im Sinn haben (möglicherweise sind sie gar gewalttätig oder ausbeutend), oder sie sind unzuverlässig oder unglaubwürdig. Unter solchen Umständen ist es sehr dumm sein, solchen Personen zu vertrauen. Sie haben einfach nicht unser Vertrauen verdient. Sie sind nicht vertrauenswürdig. Jedem zu vertrauen ist Dummheit.

Aber du kannst weiterhin zu einer vertrauensunwürdigen Person freundlich sein. Wissend, dass diese ein fühlendes Wesen ist, möchtest du nicht, dass sie leidet. Du magst Dinge sagen oder tun, die der anderen Person nicht gefallen (wenn du z.B. „Nein“ sagst, wenn diese Person sich Geld leihen möchte), aber du verfolgst dabei nicht die Absicht  der Person Leiden zuzufügen. Wenn wir tatsächlich freundlich sein möchten, dann können wir „Nein“ sagen, weil wir möchten, dass diese Person glücklich sein möge. Wir machen Menschen nicht dadurch glücklich, dass wir ihre schlechten Angewohnheiten unterstützen.

Damit will ich übrigens  nicht sagen, dass es leicht sei kein Übelwollen zu haben gegenüber jemandem, dem wir misstrauen. Ich möchte aber zum Ausdruck bringen, dass es möglich ist auch diesen Menschen mit Freundlichkeit zu begegnen und dass wir das anstreben sollten.

Mir klang es so, dass diese Frau, die mich gefragt hatte, sich selbst in eine schwierige Situation gebracht hatte. Um nicht gemein oder grausam zu erscheinen wollte sie sich nicht der anderen Person entgegen stellen. Weil sie freundlich sein wollte, wollte sie nicht „Nein“ sagen. Sie verwechselte Vertrauen und Freundlichkeit.

Wenn wir befürchten, dass die andere Person versucht uns auszunutzen oder zu verletzen, müssen wir sehr vorsichtig sein. Einige Menschen wollen uns betrügen oder wollen uns sogar körperlich verletzen. Manchmal müssen wir freundlich zu uns selbst sein, indem wir schnellstens eine Fliege machen und abhauen. Wir sollten zu allen freundlich sein, aber in einigen Fällen sollten wir freundlich sein aus einem sicheren Abstand.

(nach Bodhipaksa, wildmind.org | Übersetzung von Christina Reiß)

Umgang mit Ärger

Umgang mit Ärger

Umgang mit Ärger

Manchmal ist es sehr verführerisch, sich ordentlich über andere aufzuregen. Auf einer gewissen Ebene gehen wir davon aus, dass es uns hilft, aber das tut es nicht. Es bereitet uns lediglich selbst Schmerzen.

Es ist ein Thema, bei dem fast jeder von uns Hilfe gebrauchen kann.

Vor 1600 Jahren trug Buddhaghosa, ein Sammler und Kommentator buddhistischer Texte, einen ‚Werkzeugkasten‘ von Möglichkeiten zusammen, wie man mit Verärgerung umgehen kann. Diese Hilfestellung findet sich in Budhhaghosas enzyklopädischer Arbeit über Meditation, dem Visuddhi Magga (‚Weg der Reinheit‘).

 

Zwölf Techniken, mit Ärger umzugehen

1. Praktiziere liebende Güte

Dieser Vorschlag überrascht jetzt wenig – zumindest, wenn man schon etwas Erfahrung mit Meditation hat. Man denkt einfach an die Person, auf die man ärgerlich ist und kultiviert ihr oder ihm gegenüber eine wohlwollende Haltung. Wer mehr über die Metta Bhavana (Entwicklung liebender Güte) wissen möchte, findet zum Beispiel hier Infos. Es ist manchmal erstaunlich, wie schnell sich Ärger und Abneigung damit auflösen lassen.

2. Denke darüber nach,
dass Abneigung niemals gerechtfertigt ist

Buddhaghosa schlägt vor, dass wir ‚über die Säge nachdenken‘.

Das erfordert jetzt ein wenig Erklärung. Es gibt in den früheren buddhistischen Texten das ‚Gleichnis von der Säge‘, in dem der Buddha sagt, dass selbst, wenn einem Banditen brutal die Gliedmaßen absägten, derjenige, der darüber Hass in seinem Herzen entwickelt, nicht seiner Lehre folgte. In anderen Worten: Es ist egal, wie die Provokation im Einzelfall aussieht – Hass ist niemals gerechtfertigt. Der Geist kann so oft mit ‚Aber… aber…‘ protestieren wie er will, Hass bleibt eine negative Emotion und zerstört unser Glück, verursacht anderen Leid und hält uns davon ab, in Frieden zu leben.

So ziemlich alle tragen allerdings die Idee mit sich herum, dass es so etwas wie ‚gerechtfertigten Ärger‘ gibt. Wir erzählen uns selbst Geschichten darüber, wie schlimm jemand anderes ist und das macht es für uns ganz normal, ihn zu hassen. Was wir hier tun können, ist, Verantwortung für unsere Feindseligkeit zu übernehmen. Schließlich ist es unsere Interpretation der Taten anderer, die dazu führt, dass wir sie nicht leiden können. Wir verursachen unsere eigene Abneigung.

Man sollte die Parabel von der Säge übrigens nicht zu wörtlich nehmen. Selbstverständlich würde man jemanden, der einem so etwas angetan hat, hassen – zumindest wenn man nicht nahezu übermenschliche Fähigkeiten entwickelt hat. Das würde dann nicht bedeuten, dass man kein Buddhist ist – aber es würde heißen, dass man im Moment des Hasses nicht der Lehre des Buddhas folgen würde. Der Hintergrund der Parabel ist einfach, die Idee zu untergraben, es gäbe etwas wie ‚gerechtfertigten Ärger‘.

Übrigens gibt es eine Reihe tibetischer Mönche und Nonnen, die von chinesischen Sicherheitskräften brutal gefoltert wurden und es geschafft haben, durch Mitgefühl zu vermeiden, Hass gegen ihre Peiniger zu entwickeln – indem sie sich klar gemacht haben, dass eine solche Handlung zu schlechtem Karma führen wird.

3. Gewinne den richtigen Kampf

Dicht auf den Fersen des Rats, über die Parabel der Säge nachzudenken, folgt die Warnung, dass man durch das Entwickeln von Hass demjenigen, der einen selbst nicht leiden kann, genau das gibt, was er haben möchte. (Vorausgesetzt, die andere Person kann einen wirklich nicht leiden, was ja nicht immer der Fall ist).

Was wünscht einem eine Person, die einen nicht leiden kann? Naja, Böses halt. Buddhaghosa weist darauf hin, dass Hass hässlich macht, Schmerz verursacht, Glück zerstört, dazu führt, dass man Reichtümer verliert (oder erst gar keine anhäuft, weil man dafür viel zu abgelenkt ist), der gute Ruf den Bach runtergeht und Freunde sich aus dem Staub machen. Und eine schlechte Wiedergeburt kann auch noch dazu kommen. Das ist alles schlecht.

Jemand, der dich wirklich hasst, wünscht dir vielleicht all solches Zeug an den Hals – und doch bist du derjenige, der sich selbst all das antut! Du spielst deinem Hasser genau in die Hände und tust ihm oder ihr damit einen Gefallen. Buddhaghosa sagt, dass man, wenn man wütend auf eine wütende Person wird, schlimmer als der andere wird, weil man den „schwer zu gewinnenden Kampf nicht gewonnen“ hat. Dabei meint er natürlich den Kampf mit sich selbst, glücklich und unversehrt zu bleiben.

Im Grunde geht es hier also darum, dass ein echter Sieg nicht daraus entsteht, dass man sich über eine wütende Person aufregt. Das wäre eine Niederlage. Ein Sieg wäre, ruhig, liebevoll und gelassen zu bleiben.

4. Konzentriere dich auf das Positive

 Buddhaghosa schlägt vor, dass wir über etwas Gutes an der anderen Person nachdenken, damit wir Ärger überwinden können.

Das funktioniert auch. Verärgerung kann mit Komplexität nichts anfangen. Wenn man über die guten Seiten des anderen nachdenkt – oder sogar über die Dinge, die wir am anderen schätzen – ist es schwieriger, die eigene Abneigung aufrechtzuerhalten.

5. Entwickle Mitgefühl

Wenn einem nun wirklich überhaupt gar nichts Positives zum anderen einfallen will, oder für den höchst unwahrscheinlichen Fall, dass der andere tatsächlich überhaupt keine positiven Eigenschaften hat, sollte man ihm oder ihr gegenüber Mitgefühl entwickeln. In Buddhaghosas Weltsicht wird eine Person, die keine positiven Eigenschaften aufweist, die die schlechten wieder aufwiegen könnten, in den Höllenwelten enden und verdient damit unser vollstes Mitgefühl. Im Buddhismus sind die Höllenwelten allerdings weder eine dauerhafte Einrichtung noch sind sie als Bestrafung gedacht – es sind einfach Orte, in die wir als Folge unserer Taten für eine Weile wiedergeboren werden können. Buddhistische Höllen sind eine Art „Abspeckcamp“ für schlechtes Karma.

6. Werde darauf aufmerksam,
wie du dir selbst Leid zufügst.

Wenn uns eine andere Person verletzt hat, warum sollten wir uns zusätzlich selbst verletzen? Man muss im Leben auf vieles verzichten, was einen glücklich macht. Weshalb sollte man dann nicht Ärger aus dem Weg gehen, wenn er nur dazu führt, dass es einem schlecht geht? Wenn jemand anderes etwas getan hat, was wir nicht gut heißen, weshalb sollten wir dann selbst auch etwas tun, was wir nicht gut heißen (wie zum Beispiel wütend werden)? Wenn jemand anderes möchte, dass man sich aufregt, weshalb sollte man ihm diese Genugtuung gönnen? Es ist möglich, dass der andere leidet, wenn man auf ihn wütend wird. Es ist aber genauso möglich, dass das nicht funktioniert. Was aber garantiert passieren wird, ist, dass man sich durch Groll selbst Leid zufügt. Das, worüber man sich aufgeregt hat, ist unbeständig und schon längst vergangen. Warum sich jetzt aufregen?

7. Mache dir klar, dass jeder für
sein eigenes Karma verantwortlich ist

Im Buddhismus ist dies eine übliche Reflexion: Jeder ist für seine eigenen Handlungen verantwortlich (kamma oder karma) und muss die Konsequenzen seines Handelns selbst tragen. Wenn sich jemand anderes ungeschickt verhalten hat, muss er die Folgen selbst verantworten. Warum also sollte man nun genau das gleiche tun und sich ebenfalls in seinem Ärger ungeschickt verhalten? Das ist doch, als würde man heiße Kohle aufheben, um damit den anderen zu bewerfen. Es kann schon sein, dass man dem anderen damit weh tut, aber auf jeden Fall tut man sich damit selbst weh.

Sollte die andere Person wütend auf dich sein, wird sie sich genauso selbst Schaden zufügen. Das ist, wie Buddhaghosa sagt, als würden sie eine Hand voll Staub in den Wind werfen. Vielleicht zielen sie auf dich, aber sie sind diejenigen, denen hinterher die Augen brennen.

Wenn man auf diese Weise die Dinge betrachtet, können wir so jeder unser eigenes Leben entwirren. Die Fehler der anderen – ob nun tatsächlich oder nur in unserer Vorstellung – sind für uns nicht länger Grund, selbst Fehler zu machen.

8. Orientiere dich an Geduldsvorbildern

Buddhaghosa übertreibt hier vielleicht ein bisschen, denn er widmet diesem Punkt eben so viel Zeit wie allen anderen zusammen. Seine Herangehensweise besteht darin, uns an verschiedene vergangene Leben des Buddha zu erinnern, die sogenannten jataka Geschichten. Dies sind mythologische Geschichten über die Vorleben des Buddha, in denen er die Qualitäten von Mitgefühl und Weisheit entwickelt, die letztlich zu seinem Erwachen geführt haben.

Was auch funktioniert: Die Nähe von Menschen, die sehr ruhig und geduldig sind, ist häufig ausreichend, um selbst ruhiger zu werden. Es gibt Leute, die nie etwas Schlechtes über andere zu sagen scheinen. Und wenn man sich selbst ausführlich über andere aufgeregt hat, sagen sie etwas Weises und Freundliches und stellen alles in ein neues Licht, so dass man sich hinterher meist schäbig fühlt, schlecht über andere gesprochen zu haben.

9. Mache dir klar, dass alle Wesen
in früheren Leben deine besten Freunde
und nächsten Verwandten waren

Man muss nicht an Wiedergeburt glauben, aber wer es tut, dem könnte Buddhaghosas nächster Rat ebenfalls helfen: Denke immer daran, dass jedes Wesen (einschließlich derer, die dich total auf die Palme bringen) durch die Unendlichkeit von Zeit irgendwann deine Mutter, dein Vater, dein Bruder, deine Schwester, dein Sohn oder deine Tochter gewesen sind. Wenn eine Person deine Mutter war, hat sie dich ausgetragen, aufgezogen, dir den Rotz von der Nase geputzt, den Hintern abgewischt und dich mit Liebe überschüttet. Und mit diesem Gedanken im Hinterkopf können wir Buddhaghosas Worten folgen: „Deshalb ist es unziemlich für mich, für ihn [oder sie] Hass in meinem Geiste zu entwickeln“

Wer mit der Idee von Wiedergeburt nicht so viel anfangen kann, kann sich vielleicht ja mit der folgenden Idee anfreunden: Alles verändert sich stets und ständig und so werden wir mit jedem Moment wiedergeboren. Mit jedem Augenblick stirbt ein Teil von uns und ein neuer entsteht. Jeder noch so kurze Kontakt mit der Welt ist Teil des Prozesses von Tod und Wiedergeburt. Tatsächlich ist jede Wahrnehmung eine Art von Geburt, nämlich die Geburt einer neuen Erfahrung und damit eines neuen ‚Ichs‘. Jede Begegnung mit einem anderen Wesen ist ebenfalls Teil dieses Prozesses. Wann immer wir jemand anderen sehen, hören, berühren oder an jemand anderen denken, kommt eine neue Erfahrung hoch und ein neues Wesen wird geboren. Auf gewisse Weise sind somit alle Wesen, mit denen wir Kontakt haben, unsere Mütter. Alle Wesen, mit denen wir in diesem Augenblick Kontakt haben, helfen, das Wesen zu gebären, das in diesem Moment existiert. Und da in unserer wahnsinnig komplexen Welt die Entfaltung, das endlose Sterben-und-Wiedergeboren-werden jedes Wesens unweigerlich mit dem endlosen Sterben-und-Wiedergeboren-werden jedes anderen Wesens verbunden ist, sind alle Wesen unsere Mütter.

10. Mache dir den Nutzen liebender Güte klar

Was du auch tun kannst, ist, darüber nachzudenken, welche Vorteile die Entwicklung liebender Güte hat und wie du dir diesen Nutzen selbst verwehrst, wenn du dich deinem Ärger hingibst. Was aber ist eigentlich der Nutzen liebender Güte? Nun ja, es ist eine Frage, die jeder für sich selbst durch direkte Erfahrung beantworten sollte, aber hier ist Buddhaghosas Liste aus den Schriften:

  • Man schläft gut,
  • wacht gut auf,
  • träumt nicht schlecht.
  • Man wird von anderen Menschen und nichtmenschlichen Wesen gemocht.
  • Göttliche Wesen beschützen einen.
  • Feuer, Gift und Waffen können einem nichts anhaben (ok, das ist, mit Verlaub gesagt, etwas unwahrscheinlich…).

Vielleicht etwas plausibler:

  • Der Geist findet leichter in einen Zustand der Konzentration.
  • Man wird in einer angenehmen Welt wiedergeboren (oder zumindest wird die Zukunft angenehmer sein als die, die man hätte, wenn man jetzt keine liebende Güte entwickeln würde).

Ein paar von diesen Punkten sind recht plausibel. Es gibt auch wissenschaftliche Forschung, die zeigt, dass das Üben der Metta Bhavana (also die Entwicklung liebender Güte) zu besserer Gesundheit, einschließlich geistiger Gesundheit, führt. Freundliche Menschen scheinen generell eine angenehmere Sicht der Welt zu haben, mit weniger Konflikten und mehr erfüllenden zwischenmenschlichen Erfahrungen. Wenn man sich seinem Ärger hingibt, versagt man sich selbst diese Erfahrung. Groll ist die gesättigte Fettsäure unter den Emotionen, die einem die Glücksarterien verstopft.

11. Zerlege die Person in winzige Teile

Mental (nicht physisch!) können wir das Objekt unseres Ärgers in mehrere Teile zerlegen und uns dabei fragen, worüber wir uns eigentlich ärgern. Sind es die Kopfhaare, die Körperhaare, die Fingernägel, die Zähne, etc.? Ist es die feste Masse, aus der die Person besteht, die Flüssigkeiten, die Gase, die Energie?

Das mag zunächst mal etwas albern erscheinen, aber es lohnt, diese Methode einmal zu probieren. Denn man denkt schnell: ‚Naja, natürlich bin ich nicht wütend auf einen von diesen Aspekten, sondern auf die ganze Person!‘ Aber wenn man den Ärger mal beiseite lässt und darüber nachdenkt, was die Person eigentlich ausmacht, kommt man schnell von dem Gedanken weg, dass es ‚ein Ganzes‘ gibt und ist zumindest kurzzeitig von seinem Ärger abgelenkt.

Wie Buddhaghosa es ausdrückt: „Wenn er die Zerlegung in die Elemente versucht, findet sein Ärger keinen Halt, wie ein Senfkorn auf der Nadelspitze“. Da hat er wohl recht.

12. Mach ein Geschenk

Diese Idee ist erfrischend direkt und bodenständig. Wenn man der anderen Person etwas schenkt – vor allem, wenn es etwas ist, was man selbst schätzt – durchbricht man die Dynamik des Ärgers. Das schüttelt einen innerlich ordentlich durch, denn hierfür muss man die andere Person als einen Menschen mit Bedürfnissen sehen. Man muss darüber nachdenken, was der andere mag. Und man hörst auf, den Geist durch die immer gleichen Beschwerdeschleifen zu schicken. Man muss seinen verdammten Stolz überwinden. Ein Risiko eingehen. Man muss sich selbst verletzlich machen.

Und der anderen Person etwas zu schenken ändert die Dynamik der Beziehung. Wenn der Ärger auf Gegenseitigkeit beruht, kann der Schock des Geschenks dazu führen, dass der andere einen mit anderen Augen sieht.

Buddhaghosa zeigt auf, dass Schenken ganz von alleine zu freundlicherer Sprache führt.

Vielleicht denkst du jetzt etwas wie: „Moment mal! Ich hasse diesen Menschen, wieso um alles in der Welt würde ich ihm etwas schenken wollen?“
Aber das führt zu einer anderen Frage. Willst du überhaupt deinen Ärger beenden?

Tja, wie sieht es aus – willst du?

 

 

 

(nach Bodhipaksa, wildmind.org | Übersetzung von Christina Reiß)
Wissenschaft und Mitgefühl

Wissenschaft und Mitgefühl

Mitgefühl wird zu einem der Hauptthemenfelder, mit denen sich die wissenschaftliche Forschung heutzutage beschäftigt. Die gute Nachricht ist, dass sich herausgestellt hat, dass Mitgefühl angeboren ist und dass es uns glücklicher, beliebter und gesünder macht.

1. Mitgefühl ist fest in uns verankert

Wissenschaftler des Max Planck Instituts haben die Reaktion Zweijähriger beobachtet, die Erwachsene gesehen haben, die Hilfe brauchten, weil sie einen Gegenstand hatten fallen lassen und Schwierigkeiten hatten, ihn wieder aufzuheben. Die Pupillengröße der Kinder vergrößerte sich – ein Zeichen vergrößerter Sorge – als sie die Erwachsenen in ihrer Notlage beobachteten. Ihre Sorge verringerte sich dann, wenn es ihnen erlaubt war, zu helfen (und 10 von 12 Kindern wollten helfen), oder wenn sie einen zweiten Erwachsenen sahen, der dem ersten zur Hilfe kam. Die messbare Besorgnis der Kinder vergrößerte sich allerdings, wenn sie davon abgehalten wurden zu helfen und es auch niemand anderes tat.

Entgegen gängiger Sichtweisen, die Evolution als reinen Wettbewerb und ‚Überleben des Stärkeren‘ (eine Phrase, die Darwin übrigens niemals benutzte) darstellen, haben wir uns deutlich dahin entwickelt, miteinander zu kooperieren und uns umeinander zu sorgen. Wie Darwin es ausdrückte: „Gemeinschaften, die den größten Anteil der mitfühlendsten Mitglieder hatten, entwickelten sich am besten und zogen den meisten Nachwuchs auf“

2. Mitgefühl ist spontan, Egoismus ist berechnend

In einem kürzlichen Artikel in der Zeitschrift Nature berichteten Forscher von einer Studie, in der Menschen entscheiden mussten, wieviel Geld sie auf ein gemeinsames Konto einzahlen wollten. Je weniger Zeit die Menschen hatten um über ihre Entscheidung nachzudenken, umso freigebiger waren sie – im Durchschnitt 15 % großzügiger als diejenigen, die mehr Zeit zum Nachdenken hatten. In einer zweiten Studie mussten die Teilnehmer die gleiche Entscheidung in unter 10 Sekunden treffen oder aber sie hatten mehr Zeit dafür. Wieder waren diejenigen, die mehr Zeit zur Entscheidungsfindung hatten, geiziger.

Diese Studien zeigen deutlich, dass Menschen einen Erstimpuls haben, sich kooperativ zu verhalten und dass Egoismus ein bewusstes und sekundäres Phänomen ist.

3. Mitgefühl macht beliebt

Die Psychologin Kristin Layous der University of California am Standort Riverside und ein Kollege aus dem kanadischen British Columbia baten 9-11jährige, entweder drei ‚gute Taten‘ für andere vorzubereiten – wie zum Beispiel ihr Mittagessen mit anderen zu teilen oder ihre Mutter in den Arm zu nehmen, wenn sie sich gestresst fühlte – oder alternativ wöchentlich drei ihrer Lieblingsorte  aufzusuchen. Beiden Schülergruppen ging es innerhalb der vier Wochen, die die Studie andauerte, besser, aber jene Schüler, die sich für die gute Tat entschieden hatten, erlebten darüber hinaus, dass sich ihre Beliebtheit bei anderen merklich steigerte.

Die Autoren bemerkten, dass gesteigerte Akzeptanz unter Gleichaltrigen ein wichtiges Ziel sei, da es eine Reihe wichtiger akademischer und sozialer Folgen nach sich ziehe – darunter die sinkende Wahrscheinlichkeit von Mobbing.

4. Mitgefühl macht gesund

Wenn Mitgefühl den sozialen Zusammenhalt steigert, dann ist es auch wahrscheinlich, dass es gut für die Gesundheit ist. Die Forschung der Psychologen Ed Diener und Martin Seligman zeigt, dass sich aus unserem Maß an sozialem Zusammenhalt schließen lässt, wie lange wir leben werden, wie schnell wir uns von Krankheiten erholen, wieviel Glück und Wohlbefinden wir erleben und wieviel Sinn wir im Leben finden.

Eine wichtige Studie zeigt, dass ein Mangel an sozialem Zusammenhalt für die Gesundheit schlechter ist als Rauchen. Man würde erwarten, dass Mitgefühl, das uns emotional mit anderen verbindet, unsere Abwehrkräfte ankurbelt. Und tatsächlich zeigt sich in einer Studie von Thaddeus Pace und Kollegen der Emory University School of Medicine, dass jene Teilnehmer der Studie, die als Meditation die Entwicklung von Mitgefühl übten, bei Stresstests am wenigsten Besorgnis zeigten und ein reduziertes Maß an Interleukin-6 aufwiesen – eine Substanz, die mit Stress, Herzkrankheiten, Arthritis, Osteoporose, Diabetes Typ 2 und bestimmten Krebsarten in Verbindung gebracht wird.

5. Mitgefühl macht glücklich

Der Neurowissenschaftler Jordan Grafman von den amerikanischen National Institutes for Health (NIH) führte eine Studie auf der Basis von bildgebenden Daten des Gehirns durch, in der er herausfand, dass die „Glücksareale“ des Gehirns (die immer dann auf den Bildern aufleuchten, wenn wir Angenehmes empfinden oder Belohnungen bekommen) vergleichbar aktiv werden, wenn wir für wohltätige Zwecke spenden, wie wenn wir Geld bekommen.

Eine weitere Studie fand heraus, dass Menschen, die etwas geben, tatsächlich glücklicher sind, als Menschen, die etwas bekommen. Elizabeth Dunn von der University of British Columbia, schenkte Menschen, die an ihrer Studie teilnahmen, Geld. Die Hälfte der Teilnehmer wurde gebeten, das Geld für sich selbst auszugeben. Die andere Hälfte wurde aufgefordert, mit dem Geld etwas für andere zu kaufen. Am Ende der Studie fühlten sich diejenigen, die das Geld für andere ausgegeben hatten, signifikant glücklicher als jene, die für sich selbst etwas gekauft hatten.

Auch dieses Phänomen lässt sich schon früh im Leben beobachten. Eine Studie, an der Elizabeth Dunn gemeinsam mit Lara Aknin beteiligt war,  fand heraus, dass Kleinkinder bereits vor dem Erreichen des zweiten Lebensjahres glücklicher waren, wenn sie Belohnungen an andere verteilten, als wenn sie sie selbst erhielten. Und je größer ihr Opfer, desto glücklicher waren sie. Kinder, die auf ihre eigenen Anteile verzichten, damit andere profitieren können, sind glücklicher, als Kinder, die die Belohnung einfach so, ohne Einsatz bekommen.

Was lässt sich daraus schließen?

Vergleichen wir die Ergebnisse der oben genannten Studien mit der erlernten „Weisheit“, dass Menschen grundsätzlich egoistisch seien. Wirtschaftliche Modelle basieren auf der Annahme, dass wir grundsätzlich von Selbstinteresse geleitet werden und auch ganze politische Ideologien gehen davon aus. Und doch wird deutlich, dass Mitgefühl ein Teil unserer grundsätzlichen Natur ist und diesem Teil unserer Natur nachzugehen, verbessert unsere Gesundheit und bereichert unser emotionales Wohlbefinden.

Darüber hinaus ist das Maß an Mitgefühl, das wir haben, keine festgelegte Größe, sondern kann durch Praxis – zum Beispiel durch Meditation, erhöht werden.

(nach Bodhipaksa, wildmind.org | Übersetzung von Christina Reiß)

Es gibt immer wieder die entstellte Vorstellung, dass es egoistisch sein, Mitgefühl für sich selbst zu haben. Der Gründer der Triratna-Gemeinschaft Sangharakshita gibt in seinem Buch Living Ethicly jenen einen Rat, die sich schuldig fühlen, glücklich sein zu wollen:

Mitgefühl

„Wie können wir uns wünschen, dass andere glücklich sind, wenn wir uns von unserem eigenen Wunsch nach Glück entfremdet haben?

Leider ist es so, dass viele von uns im Westen schon früh gelernt haben, dass es egoistisch sei, sich selbst Glück zu wünschen und wir uns deshalb unnötig schuldig fühlen, wenn wir dies tun. Eine Folge davon ist, dass wir uns häufig sogar schuldig fühlen, wenn wir glücklich SIND. Diese perverse Logik sagt uns: ‚Mit all meinen egoistischen Wünschen für mein eigenes Glück kann ich es doch unmöglich verdienen, glücklich zu sein?‘ Dies führt zu dem sogar noch perverseren Glauben, dass wir uns, wenn wir spirituelle Fortschritte machen, notwendigerweise immer größerem Leiden aussetzten. Solche tiefsitzenden Glaubenssätze, dass wir unwürdig seien, vielleicht sogar schlecht, werden die Dharmapraxis von Anfang an beeinflussen.“

Es gibt hier eine ganz Reihe von Verbindungen zu Mitgefühl und liebender Güte, aber die wichtigste ist wohl die, dass unsere Freundlichkeit und unser Mitgefühl uns selbst einschließen sollten, so dass wir lernen können, unseren Wunsch nach Glück und nach Freiheit von Leiden bereitwillig anzunehmen. In diesem Zusammenhang hat Glück mehr als eine Bedeutung und sie ist ganz sicher nicht darauf beschränkt, lächelnd durch das Leben zu gehen. Sicher, Freude ist darin eingeschlossen, aber auch ein Gefühl von Bedeutung, von Erfüllung, von Sinn und Frieden – einschließlich des Friedens, der aus der Akzeptanz von Unglücksgefühlen entsteht. Wir können auch angesichts unseres eigenen Unglücks Glück empfinden.

Lernen, unseren Wunsch nach Glück anzunehmen, ist etwas, was ich schon früher als bewussten Akt zu Beginn einer Brahmavihara Meditation vorgeschlagen hatte. Und zu lernen, unseren inneren Wunsch, frei von Leiden zu sein, anzunehmen, ist ebenfalls etwas, über das wir nachdenken können, wenn wir anfangen, bewusst Mitgefühl zu entwickeln.

Wenn wir die Wahrheit anerkennen, dass wir uns wünschen, glücklich zu sein und dass es schwer ist, glücklich zu sein, dass wir also frei von Leiden sein wollen und es trotzdem nicht vermeiden können, verbinden wir uns mit dem wohl wichtigsten Teil unseres Seins – dem Antrieb, der all unseren Handlungen zu Grunde liegt. Dies sind die Wünsche, die den Treibstoff für alles, was wir tun, liefern.

Wenn wir so über die Dinge nachdenken, bleibt ein Geschmack von Verletzlichkeit zurück. Schließlich ist es nicht leicht, ein Mensch zu sein. Das war es nie und wird es auch nie sein. Es ist schwer, sich Glück und Freiheit von Leiden zu wünschen in einem Universum, in dem Glück flüchtig und Leiden überall ist. Verletzlichkeit anzuerkennen öffnet das Herz. Doch es gibt immer einen Teil in uns, der uns, wenn wir uns unserer eigenen Zerbrechlichkeit öffnen, freundlich unterstützt und ermutigt, während wir durch das Leben gehen. Und wir alle brauchen solcherlei Unterstützung.

Wenn wir uns mit dem Herzen, also dem Teil von uns, der uns alles Gute dieser Welt wünscht, diesen Tatsachen geöffnet haben, ist es nicht schwer, dies auch für einen Freund, für jemanden der leidet, jemand Fremdes und jemanden, mit dem wir Schwierigkeiten haben – also kurz: jeden – zu tun. Denn jeder, der uns in den Sinn kommen könnte, möchte glücklich sein und leidet. Das Wunderbare daran ist, dass ein Teil von uns ihnen wünscht, dass es ihnen gut gehen möge. Dass jeder von uns als Teil seines evolutionären Erbes die Fähigkeit mitbringt, das Leiden anderer mitzufühlen und ihnen Freiheit, Frieden und Glück zu wünschen.

Für viele kann es schmerzlich sein, ihren Widerstand zu durchbrechen und anzunehmen, dass Glück (was auch immer das im Einzelfall bedeuten mag) eine würdige Motivation, ein sinnvolles Ziel ist. Es gibt Schichten in unserem Erleben von Schuld, die nur entstanden sind, um genau diese Einsicht zu verhindern. Und diese Schichten abzutragen, kann sehr schmerzvoll sein. Es kann schwer sein, das Gefühl von Verletzlichkeit anzunehmen, da wir leicht Verwundbarkeit mit Schwäche verwechseln können und deshalb versuchen, dieses Gefühl vor uns und anderen zu verstecken. Aber wenn wir das tun – wenn wir so tun, als würden wir nicht leiden, als wäre alles in unserem Leben in Ordnung, dann werden unsere Schutzmechanismen zu einer Abwehr, die andere verletzt. Dann werden wir stumpf, gefühllos und kalt und werden unwillig, die Verletzbarkeit anderer zu sehen. Im schlimmsten Fall verachten wir die Zerbrechlichkeit anderer.

Unsere eigenen zarten, fragilen Wünsche nach Glück und Freiheit von Leiden anzunehmen, ist der Beginn wahren Mitgefühls. Und letzten Endes gibt es keine Unterscheidung in Selbstmitgefühl und Mitgefühl mit anderen, sondern nur Mitgefühl:

Wer sich um sich selbst kümmert,
kümmert sich um andere.
Wer sich um andere kümmert,
kümmert sich um sich selbst.            
– Buddha

 Attāna rakkhanto para rakkhati.
Para rakkhanto attāna rakkhati.

 

Und was ist der „nahe Feind“ von Mitgefühl?

(nach einer – zum Teil freien – Übersetzung von Bodhipaksa, www.wildmind.org)

Mitgefühl bedeutet, Lebewesen zu wünschen, frei von Leid zu sein. Es ist nicht Konfliktvermeidung, es bedeutet nicht sich von anderen ausnutzen zu lassen, sich nicht zu wehren, wenn es Not täte. Es bedeutet auch nicht einfach nur ’nett sein‘ oder ‚brav sein‘.   Der buddhistische Meditationslehrer und Künstler Chögyam Trungpa nannt diese verdrehte Art des Mitgefühls einfach „Idiotenmitgefühl“.

Das hat nichts mit echtem Mitgefühl zu tun, sondern es verursacht Leid in uns und schließlich auch in anderen.

Je mehr sich jemand selbst für mitfühlend hält, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich nicht um echtes Mitgefühl handelt. Dem mitfühlenden Idioten fehlt es dabei an Mut und Intelligenz.

Es fehlt beim Idiotenmitgefühl an Mut, da ’nett sein‘ und ‚brav sein‘ für die wichtigsten Qualitäten gehalten werden, die wir entwickeln können und wir so Angst bekommen, dass wir etwas tun könnten, das uns bei anderen unbeliebt macht. Idiotenmitgefühl geht häufig einher mit ‚Idiotenfreundlichkeit‘ – zum Beispiel in der Interaktion von Eltern mit ihren Kindern. Manche Eltern wollen die besten Freunde ihrer Kinder werden und sich nicht bei ihnen unbeliebt machen. Und so verwöhnen sie ihre Kinder, geben ihnen was sie wollen und bestrafen sie entweder gar nicht oder nur inkonsequent. Dabei ist es überhaupt nicht die Aufgabe von Eltern, die besten Freunde ihrer Kinder zu sein. Es ist ihre Aufgabe, ihre Kinder zu verantwortungsbewussten Erwachsenen zu erziehen.

An Intelligenz fehlt es dem Idiotenmitgefühl, da es nicht zu Glück oder Freiheit von Leid führt. Wenn dich jemand hintergeht und du ihm gleich danach wieder über den Weg traust, hilfst du weder  ihm noch dir selbst. Es ist doch mehr als unwahrscheinlich, dass die Person, die dich gerade noch nach Strich und Faden hinter das Licht geführt hat, eine plötzliche Transformation zur Gewissenhaftigkeit durchläuft. Jedes noch so vage Versprechen, sich zu ändern kann schon der nächste Versuch sein, dein Vertrauen zu missbrauchen. Deshalb hilft man ihnen nicht, sie so einfach gehen zu lassen. Stattdessen wird man so schnell zum Komplizen dessen, der sich falsch benimmt, so dass man sich selbst viel Leiden zufügt. Es wird ein Punkt kommen, an dem man denjenigen, der wieder und wieder sein Vertrauen missbraucht hat, einfach ablehnt oder aber die Ablehnung richtet sich sogar gegen die eigene Person.

Echtes Mitgefühl scheut nicht davor zurück, Schmerz zu verursachen, wenn dieses nötig ist. Und nebenbei bemerkt, es ist nicht dasselbe, ob man jemandem Schmerz verursacht oder jemandem Schaden zufügt. Der Buddha nahm sich dieses Themas in einem Gespräch mit einem Prinzen namens Abhaya an.

Abhaya war ein Anhänger eines anderen Lehrers und wurde geschickt, um den Buddha in eine Falle zu locken. Er sollte ihn fragen, ob er Worte benutzte, die anderen missfielen. Würde der Buddha zustimmen, würde Abhaya ihn beschuldigen, sich so zu verhalten wie gewöhnliche, nicht erleuchtete Menschen. Würde er aber sagen, er würde solcherlei Vokabular nicht verwenden, sollte Abhaya ihm nachweisen, dass er sehr wohl Wörter benutzt hatte, die andere Menschen aus der Fassung gebracht hätten. Dies wurde als ‚zweischneidige Frage’bezeichnet.

Wenn dem Mönch Gotama von dir diese zweischneidige Frage gestellt wird, wird er weder in der Lage sein, diese herunterzuschlucken, noch wird er in der Lage sein, sie herauszuwürgen.[1]

Doch selbstredend hatte der Buddha keinerlei Schwierigkeiten, diese Falle zu umgehen und er wandte die ‚zweischneidige‘ Metapher zu seinem Vorteil.

Bei dieser Gelegenheit lag ein junges, zartes Kleinkind unbeholfen auf dem Schoß des Prinzen Abhaya. Da sagte der Erhabene zum Prinzen Abhaya: „Was meinst du, Prinz? Wenn dieses Kind ein Stöckchen oder einen Kieselstein in den Mund stecken würde, während du oder dein Kindermädchen nicht darauf aufpaßt, was würdest du dann mit ihm anfangen?“ „Ehrwürdiger Herr, ich würde es herausnehmen. Wenn ich es nicht sofort herausnehmen könnte, würde ich seinen Kopf in die linke Hand nehmen, und indem ich einen Finger der rechten Hand krümme, würde ich es herausnehmen, auch wenn dabei Blut flösse. Warum ist das so? Weil ich Mitgefühl für das Kind habe.“

So brachte der Buddha Abhaya dazu, zu erkennen, dass es berechtigt ist, Schmerz zu verursachen, wenn so Schaden von jemandem abgewendet werden kann. Und er sagt weiter:

„Worte, die der Tathàgata (also der Buddha) als wahr, richtig und nützlich erkennt, aber die anderen unwillkommen und unangenehm sind: für den Gebrauch solcher Worte kennt der Tathàgata den richtigen  Zeitpunkt“.

Und dies sind die einzigen Gelegenheiten, in denen der Buddha etwas sagen würde, von dem er weiß, dass es unliebsam ist.

Es handelt sich hier um eine recht schwierige Anweisung. Was man sagt, soll wahr sein – nicht nur eine Meinung, sondern wirklich die Wahrheit. Dies erfordert große geistige Klarheit. Was man sagt, muss nützlich sein – was wiederum bedeutet, dass ein gutes psychologisches Verständnis und Wissen um den spirituellen Weg vonnöten sind, denn wie sonst soll man wissen, was hilfreich sein soll? Und man muss Achtsamkeit für das richtige Timing mitbringen, um sagen zu können, was gesagt werden muss. Hierfür wird Einfühlungsvermögen gebraucht.

Ich denke nicht, dass es weise ist, zu sagen, dass ehrliche, aber kritische Kommunikation vermieden werden sollte, bis wir einen Grad quasi übermenschlicher Weisheit erreicht hätten. Nur – wie können wir lernen, zu erkennen, ob es nützlich und an der Zeit ist, die Wahrheit zu sagen? Wir lernen dies, indem wir mit soviel Mut, Ehrlichkeit, Freundlichkeit und Weisheit sprechen, wie uns dies möglich ist. Und indem wir über die Konsequenzen nachdenken.

Frage dich: „Vermeide ich Konflikte und nenne das Mitgefühl? Habe ich Angst, ehrlich zu sein, weil ich glaube, davon weniger gemocht zu werden? Nehme ich andere zu schnell aus der Verantwortung? Rege ich mich zu schnell über andere auf?“ Und wenn irgendwas davon zutrifft, nimm deinen Mut zusammen und sprich, selbst, wenn du dabei Fehler machst. Der spirituelle Weg ist, wie ich gern sage, die hohe Kunst des Fehlermachens.

Letztendlich läuft alles auf Spontaneität hinaus. Und so setzt der Buddha schließlich an, zu erklären, wie er spontan in einer Kommunikationssituation reagiert, nachdem er erklärt hat, unter welchen Umständen es hilfreich ist, etwas Unliebsames zu sagen. Jene, die das ehrlichste Mitgefühl empfinden, denken nicht in Begriffen wie ‚Mitgefühl haben‘. Sich selbst ehrlich und mitfühlend auszudrücken ist das, was sie einfach tun.

Deshalb muss man aufpassen, bei der Entwicklung von Mitgefühl nicht zu selbstbezogen zu sein. Je mehr man dies beachtet, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man sich wie ein mitfühlender Idiot verhält.

[1]    aus dem Abhaya Sutta, http://www.phathue.de/page/11/?s=sutta

Als Mitglied von Karuna Deutschland e.V. (Triratnas deutsche Hilfsorganisation für soziale Projekte in Indien und Nepal) habe ich mir immer wieder überlegt, wie man Gelder für die Hilfsprojekte generieren kann. Im August 2012 kam mir eine Idee. Wie wäre es, wenn man Postkarten produziert und diese dann für Karuna verkauft. Denn mit dem Einsatz von nur ca. 60 Euro kann man 1.000 Postkarten drucken. Das bedeutet mit relativ kleinem Einsatz eine enorme Wertschöpfung.

Ich begann also die Idee zu konzeptionieren. Viele schlaflose Nächte waren die Folge. Am wichtigsten ist für mich, dass das ganze Projekt auf Danabasis beruht. Ich realisierte, dass ich, neben meiner täglichen Arbeit, über Zeit und Potential verfüge – die ich sinnvoll einsetzen will. Im buddhistischen Kontext ist das Virya, Tatkraft zum Guten.

Auf die Konzeptionsphase folgte die Ausführung. Ich begann den Webshop DanaCards zu erstellen und fragte meinen Partner Udo, ob er Postkartenmotive macht. Auch er setzte bis jetzt viel Zeit und Energie in das Projekt, kostenlos und mit viel Freude an der Arbeit. Heute ein halbes Jahr später ist aus der Idee Realität geworden. Der Shop ist unter www.danacards.de online.

Wie aber funktioniert DanaCards?

Grafiker, Fotografen, Zeichner, Künstler, Texter und Sprücheklopfer :-), also Menschen, die irgendwie kreativ sind – ob professionell oder als Hobby -, können ihre "Werke" DanaCards zur Verfügung stellen. Diese Motive sind dann im Shop unter der Rubrik "noch nicht realisiert" zu finden. Um aber diese, noch virtuellen Motive auch drucken zu können, brauchen wir Menschen, die die Druckkosten übernehmen. Ich nenne sie einfach mal "Karten-Paten". Wenn dann Karten gedruckt sind, erscheinen sie im Shop zum Preis von 1 Euro. Die Erlöse gehen dann direkt an Karuna Deutschland e.V..

Aus Platzgründen kann ich hier nicht viel mehr schreiben, aber auf www.danacards.de findet Ihr alle weiteren Infos. Ich würde mich sehr freuen wenn dieses Projekt euer Interesse und Eure Unterstützung findet. Ich bin mir absolut sicher, dass Menschen, die auf Danabasis arbeiten die Welt verändern können. Fühlt Euch also herzlich eingeladen mit zu wirken an dem Projekt "Schöne Postkarten für eine bessere Welt".

Herzliche Grüße
Dietmar

PS: Wir brauchen natürlich jetzt dringend auch Karten-Paten.

 

 

Zehn Tipps für Achtsamkeit

Achtsamkeit(in Anlehnung an Kulanada:
The Mindful Workplace)
  1. Stelle dein Handy ab, wenn du zur Bushaltestelle gehst oder zum Bahnhof. Nimm wahr, wie deine Füße den Boden berühren und fühle die Bewegung deiner Beine und deiner Hüften. Nimm wahr wie du atmest.
  2. Wenn du mit deinem Auto zur Arbeit fährst, nimm dir ein paar Augenblicke Zeit bevor du den Wagen einsteigst und fühle deinen Atem und deinen Körper.
  3. Wenn du auf deiner Arbeit bist oder an deinem Schreibtisch sitzt, nimm von Zeit zu Zeit für einige Augenblicke deine Körperempfindungen wahr. Bist du angespannt oder fühlst du Verspannungen in deinem Körper? Dann atme dorthin – weich und leicht.
  4. Wenn du eine Pause hast, dann geh nach draußen und mache einen kleinen Spaziergang wenn es möglich ist, anstatt die Zeitung zu lesen oder im Internet zu surfen.
  5. Zur Mittagszeit stell dein Handy aus und geh an die frische Luft. Mach eine Pause. Wenn du dich während dieser Zeit mit deinen Kollegen triffst, versuche über andere Sachen zu sprechen, nicht über die Arbeit.
  6. Finde eine routinemäßige wiederkehrende Handlung an deinem Arbeitsplatz. Wenn das Telefon klingelt, könntest du dies zum Beispiel als eine Gelegenheit nutzen deinen Atem zu spüren bevor du den Hörer abnimmst.
  7. Bevor du nach Hause fährst, schaue auf den Tag zurück. Anerkenne das, was du erreicht hast, und mach dir eine Liste von all dem, was du morgen zu erledigen hast. Und, wenn du es kannst, lass deine Arbeit hinter dir.
  8. Nutze den Weg nach Hause als eine Möglichkeit des Übergangs. Gehe oder fahre achtsam.
  9. Bald, nachdem du zu Hause angekommen bist, wechsele deine Kleidung und begrüße die anderen zuhause.
  10. Wenn du alleine wohnst, fühle wie es ist den ruhigen Raum deines eigenen Heims zu betreten.

Ein Vortrag von Prasadavati zum Thema:

Die Kraft der liebenden Güte in unserem Leben

Der Vortrag steht hier zum Download bereit.
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Die Kraft der liebenden Güte in unserem Leben

Vortrag im Meditationsraum des Buddhistischen Zentrums Minden