Buddhistische Gemeinschaft Triratna

Begegne allen Menschen mit Freundlichkeit,

aber traue nur jenen, die es verdienen.

Frei übersetzt nach Bodhipaksa (17.3.2015)

best-friendsKürzlich fragte mich eine Frau, was sie tun solle, wenn sie einer Person nicht vertrauen könne, der sie mit Freundlichkeit begegnet war.  In der Vergangenheit versuchte sie einem Mitbewohner, dem sie kein Vertrauen entgegen bringen konnte, mitfühlend zu begegnen und hat sich dabei selbst in Gefahr gebracht. Sie hat nicht gesagt, was die genauen Umstände waren, aber es klang furchterregend.

Jemandem mit Freundlichkeit zu begegnen bedeutet, diese Person zu behandeln wie ein fühlendes menschliches Wesen, das – wie wir selbst – den tief verwurzelten Wunsch hegt, glücklich zu sein und nicht zu leiden. Es bedeutet, sich in jemanden hinein zu fühlen, wissend, dass Glück flüchtig ist und Leiden allzu verbreitet. Mit diesen Gedanken im Geist fällt es uns schwer, unfreundlich gegenüber anderen Personen zu sein, und es ist leichter für uns, ihnen mit Empathie zu begegnen.

Vertrauen bedeutet, zu wissen oder zu glauben, dass man sich auf jemanden verlassen kann, dass jemand unser Bestes im Sinn hat. Es kann bedeuten, dass man sich darauf verlässt, dass jemand die Wahrheit sagt. Es kann bedeuten, dass man sich darauf verlässt, dass jemand auch so handelt, wie er spricht.

Generell denke ich, wir können tatsächlich den meisten Menschen vertrauen, sogar völlig fremden, aber wenn wir bereits die Erfahrung von Unehrlichkeit und Manipulation gemacht haben, oder wenn du schon ein ungutes Gefühl hast, dann ist es besser, auf der sicheren Seite zu bleiben.

Aber Freundlichkeit und Vertrauen überlappen sich nicht notwendigerweise. Wir können jeder Person freundlich begegnen, aber von einigen Personen mögen wir bereits wissen, dass sie nicht unser Bestes im Sinn haben (möglicherweise sind sie gar gewalttätig oder ausbeutend), oder sie sind unzuverlässig oder unglaubwürdig. Unter solchen Umständen ist es sehr dumm sein, solchen Personen zu vertrauen. Sie haben einfach nicht unser Vertrauen verdient. Sie sind nicht vertrauenswürdig. Jedem zu vertrauen ist Dummheit.

Aber du kannst weiterhin zu einer vertrauensunwürdigen Person freundlich sein. Wissend, dass diese ein fühlendes Wesen ist, möchtest du nicht, dass sie leidet. Du magst Dinge sagen oder tun, die der anderen Person nicht gefallen (wenn du z.B. „Nein“ sagst, wenn diese Person sich Geld leihen möchte), aber du verfolgst dabei nicht die Absicht  der Person Leiden zuzufügen. Wenn wir tatsächlich freundlich sein möchten, dann können wir „Nein“ sagen, weil wir möchten, dass diese Person glücklich sein möge. Wir machen Menschen nicht dadurch glücklich, dass wir ihre schlechten Angewohnheiten unterstützen.

Damit will ich übrigens  nicht sagen, dass es leicht sei kein Übelwollen zu haben gegenüber jemandem, dem wir misstrauen. Ich möchte aber zum Ausdruck bringen, dass es möglich ist auch diesen Menschen mit Freundlichkeit zu begegnen und dass wir das anstreben sollten.

Mir klang es so, dass diese Frau, die mich gefragt hatte, sich selbst in eine schwierige Situation gebracht hatte. Um nicht gemein oder grausam zu erscheinen wollte sie sich nicht der anderen Person entgegen stellen. Weil sie freundlich sein wollte, wollte sie nicht „Nein“ sagen. Sie verwechselte Vertrauen und Freundlichkeit.

Wenn wir befürchten, dass die andere Person versucht uns auszunutzen oder zu verletzen, müssen wir sehr vorsichtig sein. Einige Menschen wollen uns betrügen oder wollen uns sogar körperlich verletzen. Manchmal müssen wir freundlich zu uns selbst sein, indem wir schnellstens eine Fliege machen und abhauen. Wir sollten zu allen freundlich sein, aber in einigen Fällen sollten wir freundlich sein aus einem sicheren Abstand.